Bäume begleiten uns von klein auf. Viele sind schon einmal auf einen Baum geklettert. Und so manches Kind wünscht sich ein Baumhaus, in dem es ganz für sich sein und seinen Gedanken nachhängen kann.
Vielleicht habt ihr auch „euren“ Kletterbaum oder gar einen Baum zum Freund? In der Rinde so manches Baumes hat sich ein verliebtes Herz verewigt – zumindest so lange der Baum steht.
Wer in ein eigenes Haus einzieht, pflanzt neue Bäume auf das Grundstück, eventuell auch einen ganz besonderen Baum, den „Hausbaum“.
Manche Leute sitzen gern unter einem großen Baum, der ihnen Schatten und Kühle bietet. Darunter genießen sie ihren Feier- oder Lebensabend.
In einem weiteren Sinne machen Bäume unser Alter sichtbar. Wie kein anderes Lebewesen verbindet er Dauer und Identität mit Wandel und Wachstum. Wie wir zählen Bäume ihre Jahre.
Sonnenraum
Gewirr aus Schwarz und Blau
und Blätterlauschen
Adern der Zeit hin zur
Vergänglichkeit
gewachsen.
Furchen ins
Holz gerissen an
Tagen des Regens flüsternd
und ungezählt. Wasser
einer gewesenen
Eiszeit.
Verborgen
die Wurzeln.
Im Anbeginn des Abends
ein Stück von Dauer
Der Baum.
(c) Thomas Pätzold. 2007
Im Video stellt die Malerin Eleonora Heine-Jundi ihre Gedanken zum Baum als Persönlichkeit vor.


Mit Bäumen verbindet uns die aufrechte Gestalt. Sie passen sich im Wachstum an ihre Umgebung an, bleiben dabei aber immer aufrecht. Sie streben dem Himmel entgegen, ausgeglichen in Balance und ausgerichtet nach der eigenen Mitte.
Bäume haben wie wir einen Körper, eine Haut, die Borke, und mehrere Glieder, die Äste. Wenn ein Baum verletzt ist, dann blutet er, wie wir: Der Saft oder das Harz der Bäume entspricht unserem eigenen Blut.
Manchmal entdecken wir im Kopf einer Weide ein Gesicht oder ein Tier.


J.W. Goethe
Erlkönig
Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?
Es ist der Vater mit seinem Kind;
Er hat den Knaben wohl in dem Arm,
Er faßt ihn sicher, er hält ihn warm.
„Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht?“
„Siehst, Vater, du den Erlkönig nicht?
Den Erlenkönig mit Kron und Schweif?“
„Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif.“
„Du liebes Kind, komm geh mit mir!
Gar schöne Spiele spiel ich mit dir;
Manch bunte Blumen sind an dem Strand;
Meine Mutter hat manch gülden Gewand.“
„Mein Vater, mein Vater, und hörest du nicht,
Was Erlenkönig mir leise verspricht?“
„Sei ruhig, bleibe ruhig, mein Kind;
In dürren Blättern säuselt der Wind.“
„Willst, feiner Knabe, du mit mir gehen?
„Mein Vater, mein Vater, und siehst du nicht dort
Erlkönigs Töchter am düstern Ort?“
„Mein Sohn, mein Sohn, ich seh es genau:
Es scheinen die alten Weiden so grau.“
„Ich liebe dich, mich reizt deine schöne Gestalt;
Dem Vater grauset’s, er reitet geschwind,
Er hält in Armen das ächzende Kind,
Erreicht den Hof mit Mühe und Not;
In seinen Armen das Kind war tot.

„So wie der Mensch lebt auch der Baum in drei Sphären zugleich. Er wurzelt in der Tiefe der Natur, deren Kräfte, im Erdreich des Unbewußten verborgen und geborgen, sich der Beobachtung entziehen. Sind die Wurzeln bloßgelegt, so stirbt der Baum – die Verhaftung im schützenden Dunkel ist unseren inneren Organen wie den Baumwurzeln lebensnotwendig. Der Stamm dagegen steht im Mittelreich der Realität, sichtbar und faßlich – er bildet das Wesen des Wesens, auf ihn kann der Baum nicht verzichten wie auf eine einzelne Wurzel, einen einzelnen Ast – der Stamm ist wie der Körper des Menschen einmalig. Die Krone macht den Baum zum König. Die Zweige in lichter, luftiger Höhe streben in die Sphäre der Phantasie, die Hoffnung gewährt – auch sie ist den Menschen vonnöten wie den Blättern die Sonne.
In der Mythologie vieler Völker steht der Baum deshalb auch als Sinnbild für die Ordnung der Welt, aus Himmel, Lebenswelt und Erde.
Im Märchen verbindet der Baum die drei Sphären, indem er Wege nach oben wie nach unten eröffnet. Über einen Kletterbaum gelangt das Bäuerlein hinauf in den Himmel und holt sich einen Dreschflegel – so bei Grimm. In einer hohlen Weide finden Maren und Andreas eine Treppe, die hinab in die Unterwelt zur Regentrude führt – so bei Storm.“ (A. Demandt: Über allen Wipfeln. Köln; Weimar; Wien, 2002)

Bäume können einzeln stehen, oder sie wachsen zusammen mit ihren Artgenossen im Wald.
Der allein stehende Baum ist Wind und Wetter viel stärker ausgesetzt. Deshalb muß er tiefe und kräftige Wurzeln ausbilden, die ihm im Sturm festen Halt bieten. Dafür genießt er viel Freiraum bim Entfalten seiner Krone. Auch das ist ähnlich wie beim Menschen. „Der auf sich selbst gestellte Einzelne muß den Halt in sich selber finden, er wird von anderen nicht geschützt, aber auch nicht behindert. Einsamkeit ist der Preis für Freiheit.“
Der Baum im Wald hingegen lebt unter seinesgleichen. Gemeinsam mit seinen Artgenossen wird er zu einem größeren Ganzen und erfüllt so seinen besonderen Zweck.

Als Mitlebewesen auf unserer Erde sind Bäume unverzichtbar für uns Menschen. So leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung der Ökosysteme und wirken ausgleichend auf die verschiedenen ökologischen Kreisläufe, in die auch wir eingebunden sind.
Seit unserer eigenen Urgeschichte liefern Bäume uns Früchte für Mensch und Vieh. Obst, Nüsse, Bucheckern und gerösteten Eicheln dienten unseren Vorfahren als Grundnahrungsmittel.
Mit seinem Holz gaben uns Bäume den jahrtausendelang wichtigsten Werkstoff. Bereits früheste Werkzeuge wie Pfeile und Bögen, Äxte und Beile wären ohne das Holz der Bäume undenkbar.
Später wurden Häuser und Burgen aus Holz erbaut. Die Seefahrt brachte einen wichtigen Kulturfortschritt und förderte Handwerk und Handel. Überall fielen weite Waldgebiete dem Bau der hölzernen Flotten zum Opfer.
Noch heute werden viele Dinge unseres Alltags aus Holz gefertigt. Besonders für Bücher, Zeitschriften und Zeitungen besteht noch immer ein riesiger Papierbedarf.
Ordne die Baumarten den Dingen zu, die man aus ihrem Holz anfertigen kann!