
Schreibe selbst eine kleine Geschichte oder ein Gedicht, über einen bestimmten Baum oder auch über die Bäume als unsere Mitlebewesen auf dieser Erde, deren Beziehung zu uns eben so alt wie geheimnisvoll ist!
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Sag ichs euch, geliebte Bäume?
Die ich ahndevoll gepflanzt,
Als die wunderbarsten Träume
Morgenrötlich mich umtanzt.
Ach, ihr wißt es, wie ich liebe,
Die so schön mich wiederliebt,
Die den reinsten meiner Triebe
Mir noch reiner wiedergibt.
Wachset wie aus meinem Herzen,
Treibet in die Luft hinein,
Denn ich grub viel Freud und Schmerzen
Unter eure Wurzeln ein.
Bringet Schatten, traget Früchte,
Neue Freude jeden Tag;
Nur daß ich sie dichte, dichte,
Dicht bei ihr genießen mag.
Bäume sind die ältesten Gefährten des Menschen. Seit Urzeiten holen sich Menschen Kraft und Energie, Vertrauen und Schutz, Anregung und Entspannung in ihrem Schatten. Gerade Künstler – Maler und Dichter – suchten mit ihren Mitteln Möglichkeiten für den Ausdruck dieser Beziehung von uns Menschen zu den Bäumen.
Bäume können für uns Freunde sein und Tröster, Zufluchtsort oder Mitwisser erster Liebe. „Sag ich’s euch, geliebte Bäume“ – so erzählt Goethe seinen stummen Vertrauten von seiner Liebe zur Frau von Stein. Und für den Romantiker Novalis steht das Wachsen und Werden der Bäume auch für das Reifen der eigenen Liebe („Die Erlen“).
Für viele Autoren drückt sich in der Beständigkeit der Bäume etwas Lebenswichtiges aus – ihr Sinn für Heimat, für die Wurzeln, die dem Leben Halt bieten. Wie der Lindenbaum in dem bekannten Lied von Wilhelm Müller zieht es uns dort immer wieder hin, in Erinnerungen, in Träumen, und auch als Ort der letzten Ruhe. Hermann Hesse sieht im Baum sein Ebenbild: Zurechtgestutzt von den Unbilden des Lebens, Wind und Wetter ausgesetzt, und doch unbeugsam, immer aufs Neue Blätter treibend, und hoffnungsfroh und „verliebt in die verrückte Welt“.
Für den Dichter Johannes Bobrowski erhält dieser Vergleich etwas Erdschweres, dem Boden Verhaftetes, durch das das lyrische Ich die Bitternis schmeckt. Ganz im Gegensatz zur Leichtigkeit der geliebten Frau, deren Element die Lüfte sind, die nichts am Boden halten kann, außer das Fühlen, Lieben, Sorgen und die Angst des Autors.
Für Ingeborg Bachmann schließlich ist der Baum Metapher für das Paradies, für den kosmischen Baum, in dem unser Leben und unsere Liebe, widersprüchlich und unvollkommen, menschlich eben gelebt, seinen und ihren Platz in der Ewigkeit findet.



Novalis (Friedrich Freiherr von Hardenberg, 1772-1801)
Wo hier aus den felsichten Grüften
Das silberne Bächelchen rinnt,
Umflattert von scherzenden Lüften
Des Maies die Reize gewinnt,
Um welche mein Mädchen es liebt
Das Mädchen so rosicht und froh
Und oft mir ihr Herzchen hier gibt,
Wenn städtisches Wimmeln sie floh;
Da wachsen auch Erlen, sie schatten
Uns beide in seliger Ruh,
Wenn wir von der Hitze ermatten
Und sehen uns Fröhlichen zu.
Aus ihren belaubeten Zweigen
Ertönet der Vögel Gesang
Und flattern am Bache entlang.
O Erlen, o wachset und blühet
Mit unserer Liebe doch nur
Ich wette, in kurzer Zeit siehet
Man euch als die Höchsten der Flur.
Und kommet ein anderes Pärchen,
Das herzlich sich liebet wie wir
Ich und mein goldlockiges Klärchen,
So schatte ihm Ruhe auch hier.
Ingeborg Bachmann (1926-1973)
Die Welt ist weit und die Wege von Land zu Land,
und der Orte sind viele, ich habe alle gekannt,
ich habe von allen Türmen Städte gesehen,
die Menschen, die kommen werden und die schon gehen.
Weit waren die Felder von Sonne und Schnee,
zwischen Schienen und Straßen, zwischen Berg und See.
Und der Mund der Welt war weit und voll Stimmen an meinem Ohr
und schrieb, noch des Nachts, die Gesänge der Vielfalt vor.
Den Wein aus fünf Bechern trank ich in einem Zuge aus,
mein nasses Haar trocknen vier Winde in ihrem wechselnden Haus.
Die Fahrt ist zu Ende,
doch ich bin mit nichts zu Ende gekommen,
jeder Ort hat ein Stück von meinem Lieben genommen,
jedes Licht hat mir ein Auge verbrannt,
in jedem Schatten zerriß mein Gewand.
Die Fahrt ist zu Ende.
Noch bin ich mit jeder Ferne verkettet,
doch kein Vogel hat mich über die Grenzen gerettet,
kein Wasser, das in die Mündung zieht,
treibt mein Gesicht, das nach unten sieht,
treibt meinen Schlaf, der nicht wandern will…
Ich weiß die Welt näher und still.
Hinter der Welt wird ein Baum stehen
mit Blättern aus Wolken
und einer Krone aus Blau.
In seine Rinde aus rotem Sonnenband
schneidet der Wind unser Herz
und kühlt es mit Tau.
Hinter der Welt wird ein Baum stehen,
eine Frucht in den Wipfeln,
mit einer Schale aus Gold.
Laß uns hinübersehen,
wenn sie im Herbst der Zeit
in Gottes Hände rollt!
Heinrich Heine, (1797-1856)
Es erklingen alle Bäume,
Und es singen alle Nester –
Wer ist der Kapellenmeister
In dem grünen Waldorchester?
Ist es dort der graue Kiebitz,
Der beständig nickt so wichtig?
Oder der Pedant, der dorten
Immer kuckuckt, zeitmaßrichtig?
Ist es jener Storch, der ernsthaft,
Und als ob er dirigieret‘,
Mit dem langen Streckbein klappert,
Während alles musizieret?Nein, in meinem eignen Herzen
Sitzt des Walds Kapellenmeister,
Und ich fühl, wie er den Takt schlägt,
Und ich glaube, Amor heißt er.
Rainer Maria Rilke (1875-1926)
Ich sehe den Bäumen die Stürme an, die aus laugewordenen Tagen an meine ängstlichen Fenster schlagen, und höre die Fernen Dinge sagen, die ich nicht ohne Freund ertragen, nicht ohne Schwester lieben kann. Da geht der Sturm, ein Umgestalter, geht durch den Wald und durch die Zeit, und alles ist wie ohne Alter: die Landschaft, wie ein Vers im Psalter, ist Ernst und Wucht und Ewigkeit. Wie ist das klein, womit wir ringen, was mit uns ringt, wie ist das groß; ließen wir, ähnlicher den Dingen, uns so vom großen Sturm bezwingen, - wir würden weit und namenlos. Was wir besiegen, ist das Kleine, und der Erfolg selbst macht uns klein. Das Ewige und Ungemeine will nicht von uns gebogen sein. Das ist der Engel, der den Ringern des Alten Testaments erschien: wenn seiner Widersacher Sehnen im Kampfe sich metallen dehnen, fühlt er sie unter seinen Fingern wie Saiten tiefer Melodien. Wen dieser Engel überwand, welcher so oft auf Kampf verzichtet, der geht gerecht und aufgerichtet und groß aus jener harten Hand, die sich, wie formend, an ihn schmiegte. Die Siege laden ihn nicht ein. Sein Wachstum ist: der Tiefbesiegte von immer Größerem zu sein.
Johannes Bobrowski (1917-1965)
Schwer,
ich wachse hinab,
Wurzeln
breite ich in den Grund,
die Wasser der Erde
finden mich, steigen,
Bitternis schmeck ich – du
bist ohne Erde,
ein Vogel den Lüften, leichter
immer im Licht,
nur meine Angst noch
hält dich
im irdischen Wind.
Wilhelm Müller (1794-1827)
Am Brunnen vor dem Tore
Da steht ein Lindenbaum
Ich träumt in seinem Schatten
So manchen süßen Traum
Ich schnitt in seine Rinde
so manches liebes Wort
Es zog in Freud und Leide
|: Zu ihm mich immer fort:|
Ich mußt auch heute wandern
Vorbei in tiefer Nacht
Da hab ich noch im Dunkel
Die Augen zugemacht
Und seine Zweige rauschten
Als riefen sie mir zu:
Komm her zu mir, Geselle
|: Hier findst du deine Ruh:|
Die kalten Winde bliesen
Mir grad ins Angesicht
Der Hut flog mir vom Kopfe
Ich wendete mich nicht
Nun bin ich manche Stunde
Entfernt von diesem Ort
Und immer hör ich’s rauschen:
|: Du fändest Ruhe dort:|
Hermann Hesse (1877-1962)
Wie haben sie dich, Baum, verschnitten,
Wie stehst du fremd und sonderbar!
Wie hast du hundertmal gelitten,
Bis nichts in dir als Trotz und Wille war!
Ich bin wie du, mit dem verschnittnen,
Gequälten Leben brach ich nicht
Und tauche täglich aus durchlittnen
Roheiten neu die Stirn ins Licht.
Was in mir weich und zart gewesen,
Hat mir die Welt zu Tod gehöhnt,
Doch unzerstörbar ist mein Wesen,
Ich bin zufrieden, bin versöhnt,
Geduldig neue Blätter treib ich
Aus Ästen hundertmal zerspellt,
Und allein Weh zu Trotze bleib ich
Verliebt in die verrückte Welt.
Friedrich Schiller (1759-1805)
Der Baum, auf dem die Kinder
Der Sterblichen verblühn,
Steinalt, nichts desto minder
Stets wieder jung und grün.
Er kehrt auf einer Seite
Die Blätter zu dem Licht,
Doch kohlschwarz ist die zweite
Und sieht die Sonne nicht.
Er setzet neue Ringe,
So oft er blühet, an,
Das Alter aller Dinge
Zeigt er den Menschen an.
In seine grüne Rinden
Drückt sich ein Name leicht,
Der nicht mehr ist zu finden,
Wenn sie verdorrt und bleicht.
So sprich, kannst du’s ergründen
Was diesem Baume gleicht?
Conrad Ferdinand Meyer (1825-1898)
Den ich pflanzte, junger Baum,
Dessen Wuchs mich freute,
Zähl ich deine Lenze, kaum
Sind es zwanzig heute.
Oft im Geist ergötzt es mich,
Über mir im Blauen,
Schlankes Astgebilde, dich
Mächtig auszubauen.
Lichtdurchwirkten Schatten nur
Legst du auf die Matten,
Eh du dunkel deckst die Flur,
Bin ich selbst ein Schatten.
Aber haschen soll mich nicht
Stygisches Gesinde,
Weichen werd ich aus dem Licht
Unter deine Rinde.
Frische Säfte rieseln laut,
Rieseln durch die Stille.
Um mich, in mir webt und baut
Ew’ger Lebenswille.
Halb bewusst und halb im Traum
Über mir im Lichten
Werd ich, mein geliebter Baum,
Dich zu Ende dichten.
Nikolaus Lenau (1802-1962)
Der Nachtwind hat in den Bäumen
Sein Rauschen eingestellt,
Die Vögel sitzen und träumen
Am Aste traut gesellt.
Die ferne schmächtige Quelle,
Weil alles andre ruht,
Lässt hörbar nun Welle auf Welle
Hinflüstern ihre Flut.
Und wenn die Nähe verklungen,
Dann kommen an die Reih
Die leisen Erinnerungen
Und weinen fern vorbei.
Dass alles vorübersterbe,
Ist alt und allbekannt;
Doch diese Wehmut, die herbe,
Hat niemand noch gebannt.
Rainer Maria Rilke (1875-1926)
DMit einem Ast, der jenem niemals glich,
wird Gott, der Baum, auch einmal sommerlich
verkündend werden und aus Reife rauschen;
in einem Lande, wo die Menschen lauschen,
wo jeder ähnlich einsam ist wie ich.
Denn nur dem Einsamen wird offenbart,
und vielen Einsamen der gleichen Art
wird mehr gegeben als dem schmalen Einen.
Denn jedem wird ein andrer Gott erscheinen,
bis sie erkennen, nah am Weinen,
dass durch ihr meilenweites Meinen,
durch ihr Vernehmen und Verneinen,
verschieden nur in hundert Seinen
ein Gott wie eine Welle geht.
Das ist das endlichste Gebet,
das dann die Sehenden sich sagen:
Die Wurzel Gott hat Frucht getragen,
geht hin, die Glocken zu zerschlagen;
wir kommen zu den stillern Tagen,
in denen reif die Stunde steht.
Die Wurzel Gott hat Frucht getragen.
Seid ernst und seht.
Conrad Ferdinand Meyer (1825-1898)
Sie haben mit dem Beile dich zerschnitten,
Die Frevler – hast du viel dabei gelitten?
Ich selber habe sorglich dich verbunden
Und traue: Junger Baum, du wirst gesunden!
Auch ich erlitt zu schier derselben Stunde
Von schärferm Messer eine tiefre Wunde.
Zu untersuchen komm ich deine täglich
Und meine fühl ich brennen unerträglich.
Du saugest gierig ein die Kraft der Erde,
Mir ist, als ob auch ich durchrieselt werde!
Der frische Saft quillt aus zerschnittner Rinde
Heilsam. Mir ist, als ob auch ich’s empfinde!
Indem ich deine sich erfrischen fühle,
Ist mir, als ob sich meine Wunde kühle!
Natur beginnt zu wirken und zu weben,
Ich traue: Beiden geht es nicht ans Leben!Wie viele, so verwundet, welkten, starben!
Wir beide prahlen noch mit unsern Narben!
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Sag ich`s euch, geliebte Bäume?
Die ich ahndevoll gepflanzt,
Als die wunderbarsten Träume
Morgenrötlich mich umtanzt.
Ach, ihr wisst es, wie ich liebe,
Die so schön mich wiederliebt,
Die den reinsten meiner Triebe
Mir noch reiner wiedergibt.
Wachset wie aus meinem Herzen,
Treibet in die Luft hinein,
Denn ich grub viel Freud und Schmerzen
Unter eure Wurzeln ein.
Bringet Schatten, traget Früchte,
Neue Freude jeden Tag;
Nur dass ich sie dichte, dichte,
Dicht bei ihr genießen mag.
Joseph von Eichendorf (1788-1857)
Das ist der alte Baum nicht mehr,
Der damals hier gestanden,
Auf dem ich gesessen im Blütenmeer
Über den sonnigen Landen.
Das ist der Wald nicht mehr, der sacht
Vom Berge rauschte nieder,
Wenn ich vom Liebchen ritt bei Nacht,
Das Herz voll neuer Lieder.
Das ist nicht mehr das tiefe Tal
Mit den grasenden Rehen,
In das wir nachts vieltausendmal
Zusammen hinausgesehen. –
Es ist der Baum noch, Tal und Wald,
Die Welt ist jung geblieben,
Du aber wurdest seitdem alt,
Vorbei ist das schöne Lieben.
Conrad Ferdinand Meyer (1825-1898)
Schwarzschattende Kastanie,
Mein windgeregtes Sommerzelt,
Du senkst zur Flut dein weit Geäst,
Dein Laub, es durstet und es trinkt,
Schwarzschattende Kastanie!
Im Porte badet junge Brut
Mit Hader oder Lustgeschrei.
Und Kinder schwimmen leuchtend weiß
Im Gitter deines Blätterwerks,
Schwarzschattende Kastanie!
Und dämmern See und Ufer ein
Und rauscht vorbei das Abendboot,
So zuckt aus roter Schiffslatern
Ein Blitz und wandert auf dem Schwung
Der Flut, gebrochnen Lettern gleich,
Bis unter deinem Laub erlischt
Die rätselhafte Flammenschrift,
Schwarzschattende Kastanie!
Khalil Gibran (1883-1931)
die die Erde an den Himmel schreibt. Wir fällen sie nieder und verwandeln sie in Papier, um unsere Leere zu dokumentieren.
Bäume gehören zu den ältesten und wichtigsten Motiven der Literatur. Sie stehen für Leben, Wachstum, Zeit, Hoffnung, Heimat oder Vergänglichkeit. Oft spiegeln sie auch die Gefühle der Figuren wider oder symbolisieren den Zustand der Natur und der Gesellschaft. In Gedichten, Märchen, Romanen und Erzählungen begegnen uns Bäume deshalb immer wieder – allerdings mit unterschiedlichen Bedeutungen, je nach Epoche.
Im Mittelalter waren Bäume eng mit Religion und Mythologie verbunden. Sie galten als Teil der göttlichen Schöpfung und wurden häufig als Orte besonderer Ereignisse dargestellt. Gleichzeitig lebten alte Vorstellungen von heiligen Bäumen und Wäldern weiter.
Typische Bedeutungen:
Im Barock stand die Vergänglichkeit des Lebens im Mittelpunkt. Bäume erschienen häufig im Wechsel der Jahreszeiten und erinnerten daran, dass alles Leben endlich ist. Gleichzeitig symbolisierten sie Hoffnung, weil nach jedem Winter ein neuer Frühling folgt.
Typische Bedeutungen:
Die Aufklärung stellte Vernunft und Wissen in den Mittelpunkt. Natur wurde genauer beobachtet und beschrieben. Der Baum war nun weniger geheimnisvoll, sondern Teil einer geordneten Welt, die der Mensch verstehen konnte.
Typische Bedeutungen:
Die Dichter des Sturm und Drang sahen in der Natur einen Ausdruck von Freiheit und Gefühl. Der Baum wurde zum Sinnbild für Kraft, Individualität und ungehemmtes Wachstum. Besonders Eichen standen für Stärke und Unabhängigkeit.
Typische Bedeutungen:
Die Weimarer Klassik suchte nach Ausgleich zwischen Mensch und Natur. Bäume erscheinen häufig als Zeichen von Ruhe, Harmonie und innerem Gleichgewicht. Goethe nutzte Naturbilder, um über das Verhältnis zwischen Mensch und Welt nachzudenken.
Typische Bedeutungen:
In der Romantik spielt der Wald eine zentrale Rolle. Bäume werden geheimnisvoll, märchenhaft oder sehnsuchtsvoll dargestellt. Sie sind Orte der Fantasie, der Erinnerung und der Begegnung mit dem Unbekannten.
Typische Bedeutungen:
Bekannte Beispiele finden sich bei Eichendorff, Novalis oder den Brüdern Grimm.
Im Realismus werden Bäume genauer beobachtet und wirklichkeitsnah beschrieben. Trotzdem besitzen sie oft eine symbolische Bedeutung. Alte Linden oder Obstbäume stehen häufig für Heimat, Familie und Tradition.
Typische Bedeutungen:
Die Schriftsteller des Naturalismus wollten die Wirklichkeit möglichst genau darstellen. Auch Bäume erscheinen als Teil ihrer natürlichen Umwelt. Sie sind weniger Symbole als Bestandteile einer Landschaft, die den Menschen prägt.
Typische Bedeutungen:
Mit der Moderne verändert sich auch die Bedeutung des Baumes. Er steht oft für Einsamkeit, Entfremdung oder die Suche nach Orientierung. Besonders in den Weltkriegen werden zerstörte Wälder und beschädigte Bäume zu Bildern für Gewalt und Verlust.
Typische Bedeutungen:
Nach dem Zweiten Weltkrieg erinnern viele Autorinnen und Autoren mit Naturbildern an Krieg, Schuld und Neubeginn. Der Baum wird zum Symbol für Hoffnung, aber auch für die Verletzlichkeit der Natur.
Später rücken Umweltprobleme immer stärker in den Mittelpunkt. Waldsterben, Klimawandel und Artenverlust prägen zahlreiche Texte.
Typische Bedeutungen:
Heute spielen Bäume in vielen Romanen, Gedichten und Kinderbüchern wieder eine wichtige Rolle. Sie stehen für Nachhaltigkeit, Biodiversität und den Schutz unserer Umwelt. Gleichzeitig erzählen sie Geschichten über Heimat, persönliche Erinnerungen oder den Klimawandel.
Immer häufiger wird der Baum sogar selbst zum Erzähler oder erhält eine eigene Stimme. Dadurch wird deutlich, dass auch Pflanzen Teil unserer gemeinsamen Geschichte sind.
Typische Bedeutungen:
Kaum ein anderes Naturmotiv besitzt eine so große Symbolkraft wie der Baum. Er wächst langsam, kann Jahrhunderte alt werden und verbindet Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Deshalb eignet er sich besonders gut, um über menschliches Leben, Erinnerungen oder Veränderungen nachzudenken.
Gerade heute, in Zeiten des Klimawandels, erhalten Bäume eine neue Bedeutung. Sie sind nicht nur literarische Symbole, sondern auch ein Zeichen dafür, wie eng das Leben von Mensch und Natur miteinander verbunden ist.
Merke
Je nach Epoche verändert sich die Bedeutung des Baumes:
| Epoche | Typische Bedeutung des Baumes |
| Mittelalter | Schöpfung, Religion |
| Barock | Vergänglichkeit, Hoffnung |
| Aufklärung | Ordnung, Vernunft |
| Sturm und Drang | Freiheit, Kraft |
| Klassik | Harmonie |
| Romantik | Sehnsucht, Geheimnis |
| Realismus | Heimat, Beständigkeit |
| Naturalismus | Umwelt, Lebensraum |
| Moderne | Entfremdung, Identität |
| Nach 1945 | Erinnerung, Neubeginn |
| Gegenwart | Klimaschutz, Nachhaltigkeit |
Denkanstoß: Wenn ein Baum in einem literarischen Text vorkommt, lohnt es sich immer zu fragen: Warum gerade dieser Baum? Welche Gefühle oder Gedanken soll er ausdrücken? Und welche Bedeutung hatte er in der jeweiligen Zeit?