Bäume / In der Literatur

Der Baum in der Literatur

Bäume sind die ältesten Gefährten des Menschen. Seit Urzeiten holen sich Menschen Kraft und Energie, Vertrauen und Schutz, Anregung und Entspannung in ihrem Schatten. Gerade Künstler – Maler und Dichter – suchten mit ihren Mitteln Möglichkeiten für den Ausdruck dieser Beziehung von uns Menschen zu den Bäumen.

Bäume können für uns Freunde sein und Tröster, Zufluchtsort oder Mitwisser erster Liebe. „Sag ich’s euch, geliebte Bäume“ – so erzählt Goethe seinen stummen Vertrauten von seiner Liebe zur Frau von Stein. Und für den Romantiker Novalis steht das Wachsen und Werden der Bäume auch für das Reifen der eigenen Liebe („Die Erlen“).

Für viele Autoren drückt sich in der Beständigkeit der Bäume etwas Lebenswichtiges aus – ihr Sinn für Heimat, für die Wurzeln, die dem Leben Halt bieten. Wie der Lindenbaum in dem bekannten Lied von Wilhelm Müller zieht es uns dort immer wieder hin, in Erinnerungen, in Träumen, und auch als Ort der letzten Ruhe. Hermann Hesse sieht im Baum sein Ebenbild: Zurechtgestutzt von den Unbilden des Lebens, Wind und Wetter ausgesetzt, und doch unbeugsam, immer aufs Neue Blätter treibend, und hoffnungsfroh und „verliebt in die verrückte Welt“.

Für den Dichter Johannes Bobrowski erhält dieser Vergleich etwas Erdschweres, dem Boden Verhaftetes, durch das das lyrische Ich die Bitternis schmeckt. Ganz im Gegensatz zur Leichtigkeit der geliebten Frau, deren Element die Lüfte sind, die nichts am Boden halten kann, außer das Fühlen, Lieben, Sorgen und die Angst des Autors.

Für Ingeborg Bachmann schließlich ist der Baum Metapher für das Paradies, für den kosmischen Baum, in dem unser Leben und unsere Liebe, widersprüchlich und unvollkommen, menschlich eben gelebt, seinen und ihren Platz in der Ewigkeit findet.

Piet Mondrian: Abend; Roter Baum
Egon Schiele: Vier Bäume
Vincent van Gogh: Sternennacht