
Du erinnerst dich ja sicher an mein Gespräch mit Herrn Beu, dem Ranger aus dem Nationalpark. Er hatte mir ja auch seinen Lieblingsbaum im Wald gezeigt, eine alte Buche. Gleich neben diesem Baum lag ein umgestürzter Baum, bewachsen von Pilzen und Moos. Das hat mich interessiert: wie Bäume sterben, und was mit ihnen passiert, wenn sie „tot“ sind.
Christa: Woran erkennt man, dass ein Baum stirbt?
Herr Beu: Das fängt damit an, dass der Baum trockene Stellen bekommt. Die Blätter werden kleiner und die Krone wird lichter. Ja und dann – wenn ein Baum stirbt, dann merkt der das auch. Denn so ein Baum hat eine Seele. Deshalb bringt ein Baum in seinen letzten Jahren noch einmal richtig viel Mast. Das heißt, dass zum Beispiel eine Buche noch einmal richtig viele Bucheckern trägt, oder eine Eiche noch einmal viele Eicheln. Oder eine Fichte noch einmal richtig ordentlich Zapfen, um sich nochmal zu vermehren. Damit sie wissen, irgendeiner wird später meinen Platz einnehmen – so wie das in unserem Leben ja auch ist.
Christa: Was passiert mit einem Baum, wenn er tot ist?
Herr Beu: Wie man so schön sagt: das Sterben gehört zum Leben dazu. Wenn ein Baum tot ist im biologischen Sinne, dann ist er das im ökologischen Sinn noch lange nicht. So ein Totholzbaum ist zum Beispiel eine ideale Nische für viele Pilze und Käfer. Allein hier bei uns im Darßwald gibt es ca. 350 verschiedene solcher Käferarten, die von dem toten Holz leben. Ja, und wenn ich hier diese Käfer habe, dann kommen irgendwann auch wieder die Vögel.
Durch den Tod des Baumes entsteht im Wald wieder eine Lücke. Das schafft Platz für neue Pflanzen. Die Sonne kommt wieder besser durch und es gibt wieder mehr Photosynthese. Es entsteht also wieder neues Leben. Und irgendwann wird diese Lücke dann wieder geschlossen sein.
Liegt der tote Baum selbst lange genug im Wald, dann wird er irgendwann wieder Humus sein und als Nährstoff dienen können für die anderen Pflanzen.
Im Wirtschaftswald wird das tote Holz aus dem Wald herausgeholt. Das hat auch Vorteile zum Beispiel für die Jagd, weil dann die Jäger nicht auf trockene Äste treten.
Bei uns im Nationalpark belassen wir das Totholz im Wald. So erfüllt es seine Funktion im Ökosystem. Und das führt dazu, daß wir hier eine größere Artenvielfalt haben. Zum Beispiel hört man hier viel mehr Vögel als in einem Wirtschaftswald.
Christa: Woran sterben die Bäume?
Herr Beu: Jeder Baum stirbt natürlich irgendwann. Aber es kommen eben auch unsere Einflüsse als Menschen hinzu. Wir haben ja kaum noch wirkliche Naturlandschaften. Selbst unser Nationalpark besteht aus etwa 80 Prozent Kulturlandschaft. Es dauert in der Regel mindestens zwei Baumgenerationen, bis sich alles regeneriert hat und man wieder von einer Naturlandschaft sprechen kann. Also etwa 300 Jahre.
Kulturlandschaft Wald bedeutet aber, dass die Bäume oft von einer Art sind und alle in etwa das gleiche Alter haben. Wenn dann Umwelteinflüsse hinzukommen wie Schädlinge zum Beispiel, dann können sie sich gegenseitig anstecken. Zum Beispiel mit der Buchenwolllaus. Steht hier eine Buche und um sie rum auch nur Buchen, dann kommt die leicht von der einen zu den andern. Habe ich aber Mischwald, also ein paar Kiefern und Birken dazwischen, dann kann sie das nicht. Und so ähnlich ist das mit vielen andern Schädlingen auch.
Ich sage immer, der liebe Gott hat an das alles gedacht, nur der Mensch, der hat das alles verdaddelt.



erdgeboren
bin ich
dem himmel
verwandt
verwachsen
mit deinem holz
baum
genährt von
deinen wurzeln
lausche ich
ein blatt
dem wind
stimme flüsternd ein
bis ich dann
im abend
rot noch einmal
hör den schrei
der eule
um dankbar
einzugehn
und
zu werden
was ich immer
schon war
(c) Thomas Pätzold. 2007
Du hast ja nun einiges über das Baumsterben erfahren in Christas Gespräch mit Herrn Beu. Dabei ging es auch um die Gründe, warum Bäume sterben, und welche Rolle Umwelteinflüsse spielen. Leider konnte Christa Herrn Beu nicht mehr fragen, wie sich der Klimawandel auf das Leben und Sterben von Bäumen auswirkt. Recherchiere doch selbst mal zu diesem Thema, was du dazu herausbekommen kannst!
